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Pflegehelfer: Perspektive für Asylbewerber

Im neuen Schuljahr startet Modellversuch am Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe.

Bericht von Horst Müller - Vilsbiburger Zeitung vom Mittwoch, den 08. Juni 2016

 

Mit einem in Niederbayern einmaligen Modellprojekt will der Landkreis Landshut die Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt fördern und gleichzeitig den Fachkräftemangel in der Krankenpflege lindern: Das Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe in Vilsbiburg bietet von August an jungen Asylbewerbern und Flüchtlingen zwischen 16 und 21 Jahren im Rahmen eines einjährigen Vollzeitunterrichts, den Einstieg in den Beruf des Pflegefachhelfers an.

Die Mitglieder des Kreisausschusses äußerten sich am Montag durch die Bank überaus angetan über das Modellprojekt und ebneten mit der Genehmigung einer zusätzlichen Lehrerstelle den Weg für den vom Kultusministerium genehmigten Schulversuch, zumal dadurch auch die kreiseigene Berufsfachschule für Krankenpflegehilfe gestärkt und den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnet werde. Die Gesamtkosten werden sich voraussichtlich auf etwa 80000 Euro belaufen, wobei mit einem Zuschuss für das Lehrpersonal in Höhe von rund 40000 Euro zu rechnen sei.

Die Idee für das Projekt, junge Migranten als Nachwuchskräfte im Bereich Krankenpflege zu gewinnen und auszubilden, wurde im Herbst 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise geboren und dann in Zusammenarbeit mit Monika Wagner, der Leiterin des Kompetenzzentrums, in Angriff genommen, berichtete Landrat Peter Dreier. Dass sich der Landkreis damit in bester Gesellschaft befand, stellte sich im Januar heraus, als das Kultusministerium den Schulversuch "einjährige Erweiterung der Pflegehelferausbildung für Asylbewerber und Flüchtlinge an Berufsfachschulen für Pflegehelferberufe" vorstellte, der dasselbe Ziel verfolgt.

Der Modellversuch richtet sich an junge Asylbewerber und Flüchtlinge, die zwar einen Mittelschulabschluss oder einen vergleichbaren Abschluss erworben haben und einen Pflegehelferberuf - entweder Pflegefachhelfer/in (Altenpflege) oder Pflegefachhelfer/in (Krankenpflege) - anstreben, jedoch noch nicht über ausreichende Sprachkenntnisse zum direkten Einstieg in die einjährige Pflegehelferausbildung verfügen. Ihnen soll innerhalb eines Jahres im Rahmen der "erweiterten Pflegehelferausbildung" das nötige Rüstzeug vermittelt werden, damit sie anschließend die "eigentliche" Ausbildung zum Pflegefachhelfer/in absolvieren können. Neben einer intensiven Sprachförderung beinhaltet der Unterricht grundlegendes Allgemeinwissen, Inhalte zur gesellschaftlichen Integration und Wertevermittlung sowie eine intensive Berufsvorbereitung auf den Pflegehelferberuf. Zudem können die Schüler im Rahmen des Unterrichts auf allgemeinbildende Abschlüsse vorbereitet werden, zum Beispiel auf die externe Prüfung zum Erwerb des qualifizierenden Mittelschulabschlusses.

Voraussetzung für die Durchführung des Schulversuchs ist, dass bis zum 1. August eine Klasse mit mindestens 16 Schülern gebildet werden kann. Aus diesem Grund wurden bereits die Mittelschulen im Landkreis und die Berufsschulen in Landshut sowie die ehrenamtlichen Helferkreise auf das Modellprojekt aufmerksam gemacht. Laut Schulleiterin Monika Wagner gibt es allerdings erst zwei Bewerber. Damit der Schulbesuch nicht von vornherein daran scheitert, dass potenzielle Interessenten nicht wissen, wie sie jeden Tag von ihrer Unterkunft aus nach Vilsbiburg gelangen und von dort wieder nach Hause kommen, wird die Ausländerbehörde des Landratsamts Gegebenenfalls den Umzug in eine Unterkunft vor Ort in die Wege leiten. Außerdem ist angedacht, den Einzugsbereich auf die Nachbarlandkreise auszuweiten, sollte die Mindestschülerzahl nicht erreicht werden.


Ergänzung zum Artikel:

Achtung! Neu! Die Altersbeschränkung 16-21 Jahre wurde durch das Kultusministerium aufgehoben!

 

 


Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe